Schicksale    
 
Älter, Diabetiker, ein Notfall – na und???
   
                         
 

„Na und“, das dachten leider nicht viele. Aber zum Glück gab es auch für mich zwei Dosenöffner, die „na und“ sagten, mich mitnahmen und mir ein tolles Zuhause gaben.

 
   

Das bin ich, Roma (jetzt Lo-Si, fragt nicht warum ich so heiße), 8 – 10 Jahre alt, Diabetiker. Im Tierheim fühlte ich mich gar nicht wohl und obwohl alle sich bemühten, gab ich mich auf. So wurde ich ein Notfall.

Es kamen einige Dosenöffner, die sich für mich interessierten, aber keiner nahm mich zu sich. Eines Tages kam dann eine Frau vorbei, sie unterhielt sich mit mir, beschmuste mich, ich fand sie toll. Aber sie ging ohne mich – schade! Direkt danach kamen die nächsten, aber auch sie gingen. Doch ein paar Tage später kam die Frau zurück, ich wurde in eine Transportbox gepackt – ich war vermittelt.

 

Da saß ich nun in der Box und überlegte mir, was mich wohl erwarten würde. Ein Haus, eine Decke mit Sessel untendrunter, leckeres Futter, nette Dosis und vor allem keine anderen Katzen (von denen hatte ich im Tierheim nun wirklich genug um mich herum gehabt)…..träum!

Na, diese Seifenblase zerplatze schon an der Türschwelle, als sich eine kleine feuchte Nase schier in meine Box quetschte und das sollte nicht die letzte Nase bleiben! Es waren schon mehrere andere da! Ich konnte es nicht fassen, warum musste ausgerechnet mir das passieren???

Dann konnte ich endlich raus aus der Box, mit einem lauten Fauchen scheuchte ich die Konkurrenz erst mal weg - und da war es dann – mein Haus, meine Decke, mein Sessel, mein Futter, 2 nette Dosis……dafür könnte ich das restliche bepelzte Pack schon ertragen (bei näherer Betrachtung sind sie schon ganz ok)!

Die ersten Tage brauchte ich erst mal um mich an meine neue Umgebung zu gewöhnen. Die gelegentliche Piekerei von wegen der Insulinspritze ertrug ich mit Gleichmut, ich hatte Schlimmeres hinter mir.

Aber war das eine Lauferei! Dosi war der Meinung, dass ich nicht nur rum liegen sollte, also stand mein Futter in der Küche, mein Wasser im Wohnzimmer, in der anderen Ecke des Zimmers war mein Sessel und mein Haus, im Bad mein Klo …………. Puh, ich erledigte alles gemütlich und nach einer Runde musste ich dann erst mal wieder lange ruhen!

Dabei konnte ich meine Kollegen dann beobachten und mir ansehen, was die so trieben.

Es gab dort so komische Teile, die Dosis nannten sie „Mäuse“, ich konnte damit nichts anfangen.

Es gab diese „Mäuse“ mit Glöckchen, mit Rassel, an der Angel , mit Zeugs das gut roch drin usw.

Nach 1 Woche hatte ich’s kapiert. Diese „Mäuse“ konnte man zerlegen! Fell abziehen und sehen was zum Vorschein kommt, also quasi die Maus strippen und das Innerste nach außen kehren. Vor allem die, die so gut rochen, da kam dann so ein grünes Pulver raus, das habe ich überall verteilt und mich drin gewälzt. Als Dosi heimkam saß ich schon bereit, wartete auf Lob! Dosi sagte auch sofort: „Na das hast Du aber ganz toll gemacht“ – und holte den Staubsauger. So hatte ich mir das aber nicht vorgestellt, das saugende, lärmende Ding hass’ ich nun wirklich.

Selbstverständlich machte ich mich auch im Haushalt nützlich. Mein Job war es den Restmülleimer zu kontrollieren, damit da auch ja nichts drin war, das eigentlich in die gelbe, blaue oder braune Tonne gehörte. Ich nahm meinen Job ernst und erledigte ihn täglich gewissenhaft. Bis Dosi den Mülleimer unter die Spüle in den Schrank stellte. Klar, es war ihr unangenehm, dass ich immer etwas fand, was da absolut nicht rein gehörte!

Versteh einer diese Dosis J , da will man helfen und nix isses!

Jetzt habe ich festgestellt, dass man anstatt der Mäuse auch mit anderen Gegenständen (Trauben, Cocktailtomaten) ganz nett spielen kann. Lustig dabei ist vor allem, dass der Dosi gerne auf die Dinger tritt und dann geschimpft bekommt, weil er Schweinerei gemacht hat. Kein Mensch denkt dann mehr an mich J

Dosi bezeichnete mich in den letzten Tagen als Mogelpackung! Was das wohl heißen soll? Es muss irgendwas damit zu tun haben, dass ich im Tierheim nur in der Ecke lag und eigentlich so gar nichts machte und ich jetzt ziemlich zügig auf meinen Pfötchen unterwegs bin.

Vor allem, wenn es darum geht mich um irgendetwas zu drücken oder mich zu ver drücken.

Vermutlich werde ich noch vieles finden, das entdeckt werden muss und darauf freue ich mich.

Allen, die sich im Tierheim um mich gekümmert haben und ein so schönes Zuhause für mich gefunden haben, wünsche ich ein wunderschönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch. Insbesondere meiner ehemaligen Zimmergenossin Thara wünsche ich alles Liebe, denn ich habe erfahren, dass sie bald bei den Leuten wohnt, die sie „beschnupperten“ als ich ausgezogen bin. Allen anderen ehemaligen Mitbewohnern drücke ich die Pfoten, damit sie ebenfalls bald gut vermittelt werden.

Roma (Lo-Si)
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